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SichtbarkeitsJOURNAL | Ausgabe April 2026
Jenniffer
Feder
Foto: Nicole Bartels
Ich habe alles versucht, um zu entspannen – bis
ich aufgehört habe, es richtig machen zu wollen.
Ich habe lange gedacht, Entspannung müsste sich irgendwie… richtig
anfühlen. Sie muss sich still, ruhig und klar anfühlen. So wie man das eben in
den Medien und Reportagen so sieht: Mönche, die stundenlang meditieren.
Meditationskissen, Om, Namaste und Gong.
Und gleichzeitig saß ich damals oft am Küchentisch, völlig erschöpft, mit dem
Gefühl, dass mein Kopf einfach nicht aufhört zu denken. Nennen wir es denken.
Dabei habe ich mir schon den ganzen Tag den Kopf zermattert: Warum war
meine Chefin heute so komisch zu mir? Was, wenn die alle merken, dass ich
nichts draufhabe? Bin ich überhaupt kreativ genug? Warum bekommt niemand
mit, dass ich nicht mehr kann?
Ich habe zu diesem Zeitpunkt in der Kreativbranche als Grafikerin gearbeitet.
Bedeutet: Kreativität auf Knopfdruck, hoher Stresspegel, viel Unruhe im Büro und
die ein oder andere (unnötige) Überstunde. Und das nur, damit Kundschaft und
Chef zufrieden sind. Das kann’s doch nicht gewesen sein!?
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