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SichtbarkeitsJOURNAL | Ausgabe April 2026
Ich habe hier und da Sachen ausprobiert, die eigentlich guttun sollten:
klassische Meditation, Podcasts, Pausen. Aber oft war da eher Frust als Ruhe.
Weil ich nicht „abschalten konnte“. Weil ich dachte, ich mache es falsch. Ich
wusste nicht, wohin mit den Händen oder den Gedanken. Und irgendwie
konnte ich das Hamsterrad nicht einfach von 100 auf 0 anhalten. Als
leistungsgetriebener Mensch war das aber auch nicht überraschend.
Schließlich muss ich leisten, keine Schwäche zeigen und immer stark wirken.
Bis genau das Gegenteil eintraf: Das Stoppschild mit der Aufschrift
„Depression“ wurde mir von meinem Körper vorgehalten. Ich weiß noch, wie
ich da saß bei meiner Therapeutin. Sie sagte zu mir, dass ich erstmal „auf bis
Weiteres“ krankgeschrieben sein werde. Bei mir raste gleich der Kopf los: Ich
falle aus! Aber meine Kollegin… Und was sollen jetzt die anderen denken?
Ich muss doch noch die Grafik fertig machen…
Es hat ein paar Tage gedauert, in denen ich die freie Zeit zum einen für
stundenlangen Schlaf genutzt habe. Zum anderen aber auch für die
liegengebliebene Wäsche. Wer weiß schon, wann ich das nächste Mal so
viel Zeit am Stück frei habe?!
Foto: Nicole Bartels
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