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SichtbarkeitsJOURNAL | Ausgabe April 2026
Wenn im Außen nichts
zu sehen ist – und
innen alles arbeitet
Parallel musste ich mir eine neue
Wohnung in München zum
Semesterstart suchen, diese komplett
einrichten, privat und geschäftlich
alles ummelden, mein Leben neu
organisieren.
Von außen bekommt man davon
nicht viel mit, aber innerlich sieht es
anders aus.
Rückblickend war das ein
Wendepunkt. Nicht, weil danach
plötzlich alles besser war, sondern
weil ich gezwungen war, mich neu
aufzustellen. Für mich. Alleine.
Niemand mehr, der im Zweifel etwas
abfedert. Niemand, der im Notfall
einspringt oder Sicherheit gibt.
Ich musste mir Fragen stellen, die ich
vorher eher vermieden habe: Was
trägt mich eigentlich, wenn äußere
Stabilität wegbricht? Wie sehr hängt
mein Business an meinem eigenen
Zustand? Und wie ehrlich bin ich mit
mir selbst darüber, was gerade
wirklich geht und was nicht?
Zweifel kommen schneller. Dinge, die
vorher klar waren, wirken plötzlich
unsicher. Entscheidungen fühlen sich
schwerer an. Und gleichzeitig ist da
dieser Druck: Du hast dich bewusst
dafür entschieden. Du hast
unterschrieben. Du hast
übernommen. Also musst du jetzt
auch tragen.
Ich habe darauf keine perfekten
Antworten gefunden. Aber ich habe
angefangen, genauer hinzuschauen.
Zum Beispiel darauf, wie oft ich
kompensiere. Wie häufig ich einfach
funktioniere, obwohl ich eigentlich
eine Pause bräuchte. Wie schnell ich
versuche, Unsicherheit mit Aktion zu
überdecken. Und gleichzeitig habe
ich gesehen, was bleibt.
Das ist der Teil am Gründen, den
man in keinem Businessplan findet.
Es geht nicht nur um Strategie oder
Skalierung. Es geht darum, wie stabil
du bist, wenn mehrere Dinge
gleichzeitig ins Wanken geraten.
Trotz allem lief das Unternehmen ja
weiter. Nicht perfekt. Nicht ohne
Reibung. Aber es lief. Und ich habe
in dieser Zeit sogar mehr Umsatz
gemacht als lange zuvor. Das hat
mich selbst überrascht.
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