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SichtbarkeitsJOURNAL | Ausgabe April 2026
Resilienz klingt oft wie ein großes, fast abstraktes
Wort. In der Realität ist es viel unspektakulärer. Es
ist dieses Weitermachen an Tagen, an denen man
es sich nicht ausgesucht hätte.
Dieses leise „Ich kümmere mich trotzdem“, obwohl der Kopf eigentlich ganz
woanders ist. Teilweise nachts, weil man es tagsüber nicht mehr geschafft hat.
Und gleichzeitig auch das Eingeständnis, dass nicht alles gleichzeitig geht.
Ich glaube, das ist etwas, das viele unterschätzen: Gründen ist immer auch
persönlich. Egal wie professionell man auftritt, egal wie sauber die Zahlen
sind, man selbst ist immer Teil davon. Mit allem, was gerade im eigenen
Leben passiert. Man kann das nicht komplett trennen. Und vielleicht muss man
das auch gar nicht. Vieles habe ich erst unterwegs gelernt. Oft erst dann,
wenn es schon wehgetan hat. Gründen ist selten linear. Es ist eher ein
permanentes Anpassen – an Menschen, an Märkte und auch an sich selbst.
Heute würde ich nicht sagen, dass ich alles im Griff habe. Das wäre nicht
ehrlich. Aber ich habe ein anderes Verständnis davon entwickelt, was
Kontrolle bedeutet. Es ist weniger dieses „Ich habe alles geplant“, sondern
eher ein „Ich kann mit dem umgehen, was kommt“. Und das fühlt sich echter
an.
Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, sehe ich keine perfekte
Gründungsgeschichte. Ich sehe viele Anläufe, Brüche, Entscheidungen, die ich
heute vielleicht anders treffen würde. Und gleichzeitig genau die Erfahrungen,
die ich gebraucht habe, um heute hier zu stehen.
Gründen ist kein gerader Weg. Es ist ein ständiges Neujustieren.
Und manchmal passiert dieses Neujustieren nicht, weil man es will, sondern
weil das Leben und Situationen dazwischenkommen.
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