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SichtbarkeitsJOURNAL | Ausgabe April 2026
Als ich nach Hause kam, nahm
mich mein Mann in den Arm und
sagte: „Ich wusste, das ist deine
Welt. Das ist deine Berufung.“
Er hatte recht. Und er sollte Recht
behalten. Inzwischen sind doch
einige Jahre vergangen, ich durfte
bereits Hunderte von Menschen auf
ihrem letzten Weg begleiten.
„Mit meiner Stimme erzähle ich, was
bleibt.“
Und ich liebe was ich tue, obwohl
der Anlass sehr traurig ist. Doch ich
habe mit meiner Stimme die
Möglichkeit, eine Geschichte zu
erzählen, die Hinterbliebene und
trauernde Menschen noch einmal
mitnimmt auf eine gemeinsame Reise.
Ich werde oft gefragt, wie ich das
überhaupt machen kann.
Meine Antwort ist stets dieselbe: Es
ist nicht mein eigener Verlust – ich
darf die Lebensgeschichte eines
Menschen hören und fühlen.
Dies ist ein Geschenk und es macht
mich dem Leben gegenüber sehr
demütig. Diese Arbeit macht mich frei
und unendlich ruhig.
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Diese Berufung hat mir jedoch auch
ganz klar aufgezeigt, dass es wichtig
ist, im Leben seiner Freude zu folgen.
Nach vielen Jahren in der Beratung
und im Coaching wurde mir bewusst,
dass ich ein Talent habe, das lange
einfach „mitgelaufen“ ist.
Ich habe durch mein Studium
einerseits die Fachkompetenz,
andererseits die Fähigkeit geschenkt
bekommen, Menschen intuitiv zu
lesen. Schon im Gespräch erkenne
ich Denk-, Verhaltens-, Beziehungsund Handlungsmuster – sowohl die
gelebten als auch jene, die im
Verborgenen darauf warten, gesehen
zu werden. Ich erkenne Muster,
Dynamiken und innere
Zusammenhänge ganz klar.
Ich habe mich auf die Frage
„WARUM“ spezialisiert, denn sie
betrifft alle Lebensbereiche.
Wenn wir wissen, mit welchen
Mustern wir unser Leben gestalten,
beruflich wie privat, und überprüfen,
ob diese überhaupt noch zeitgemäß
sind, können wir beginnen, unser
Leben bewusst zu verändern.
Es ist immer eine Entscheidung
notwendig, um aus alten Mustern
auszusteigen, doch vorher ist es
wichtig, diese überhaupt zu kennen.